Thomas Reiter
geb. 1958, ist deutscher Astronaut. Nach einer Ausbildung zum Jetpiloten wurde er aus einer Gruppe von 22000 Bewerbern als Mitglied des Europäischen Astronautenteams ausgewählt. Als achter Deutscher startete Thomas Reiter am 3. September 1995 ins All und flog zusammen mit zwei Russen zu der russischen Raumstation „Mir“. Für ihre erste Langzeitmission auf der Internationalen Raumstation (ISS) wählte die ESA 2005 Thomas Reiter aus, der am 6. Juli 2006 mit dem Spaceshuttle „Discovery“ zur ISS flog und nach sechs Monaten zur Erde zurückkehrte. Thomas Reiter ist seit dem 1. Oktober 2007 Mitglied des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dort verantwortlich für Raumfahrtforschung und -entwicklung.
Erdenbürger aus dem All
Als Astronaut hat man nicht viel Platz für Souvenirs. Anderthalb Kilo Heimat hatte Reiter gewissermaßen im Gepäck, als er ins All startete. Deutschland im digitalen Handgepäck. Dafür hat man jedoch einen klaren, umfassenden Blick auf seine Heimat, den blauen Planeten. „Und man ist von der Schönheit der Erde beeindruckt“, erinnert sich Reiter, der im All auch über Ereignisse auf der Erde informiert war. Die negativen Ereignisse, die ihn als Nachrichten in der Schwerelosigkeit erreichten, steigerten sich in ihrer Unsinnigkeit. Der Blick veränderte sich. Das, was wichtig ist, rückt aus der Ferne in greifbarste Nähe. „Die einfache Tatsache zum Beispiel, dass wir alle zusammen gehören“, sagt Reiter. Genauso wie die Wahrung des Friedens und der Erhalt des Planeten. Alles, was auf der Erde so schwierig scheint, ist im All ganz einfach, einfach einleuchtend. Diese Erfahrung hat Reiter bei seiner Ankunft auf Erden mitgenommen. Als Souvenir aus dem All. „Sind Sie jetzt erleuchtet?“, fragt Gleich mit einem Lächeln. „Nein, so möchte ich das nicht ausdrücken. Aber die Perspektive hat sich nachhaltig verändert.“ Diese Erfahrung, die Reiter als Astronaut im All gemacht hat, sieht er auch als Gewinn für die menschliche Gemeinschaft. Denn als Mensch kann er anderen Menschen davon berichten. „Und Erfahrungen treiben die Entwicklung voran.“ Ein ins All geschickter Roboter vermag das nicht. Und wie hat sich der Blick auf ihn selbst verändert? „Ich habe mich auch als Deutscher im All gefühlt. Aber es ist nicht zu leugnen, dass sich eine Erfahrung in den Vordergrund drängt: dass man in erster Linie ein Erdenbürger ist.“