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Culture Counts DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?

DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?


Benjamin von Stuckrad-Barre



Benjamin von Stuckrad-Barre

geb. 1975, Journalist und prominentester deutscher „Popliterat“. Als Zeitungsreporter aller Genres macht er Stichproben von Stadt, Land und Begegnungen. Er beobachtet, seziert, entlarvt, provoziert und schreibt – kontinuierlich an seinem Buch „Deutsches Theater“, das dieses Jahr in einer erweiterten Neuauflage erschienen ist. In seinem Romanen „Livealbum“, „Remix“ oder „Blackbox“ kratzt er an Oberflächlichkeiten der Medienwelt und führt mit scharfem Blick hinter die Kulissen eines vermeintlichen Lebensgefühls seiner Generation. Benjamin von Stuckrad-Barre arbeitete als Redakteur und freier Autor beim Rolling Stone, der Harald Schmidt Show, taz, stern und der FAZ, moderierte den Jugendsender „You FM“ beim Hessischen Rundfunk und ist seit 2008 exklusiv für Zeitungen der Axel Springer AG tätig.

Land der Dichter, Denker und Dummen

Er ist immer vor Ort. Der Ort ist Deutschland. Und über sich selbst sagt er: „Ich bin mein Material.“ Ein versprengter und gebündelter Ansatz zugleich. Benjamin von Stuckrad-Barre ist Literat, die Kritik hat ihm das Etikett „Popliterat“ verpasst. Aber was ist Popliteratur? Und ist das überhaupt eine Frage wert? „Ich habe mich jahrelang gefragt, wie Popliteratur definiert wird. Mittlerweile ist es mir ja völlig wurscht, wie man das nennt, was ich mache“, sagt von Stuckrad-Barre. Wer keine Fragen hat, muss nicht unbedingt Antworten haben. Man kann sich auch einfach auf’s Gefühl verlassen: „Ich gehe dahin, wo es weh tut. Das interessiert mich.“ Das heißt konkret: Von Stuckrad Barre schaut sich die Dummheit im Lande an. Deutschland hier, von Stuckrad-Barre da. Wo sich die beiden begegnen, ist Leiden. Das dokumentieren seine Bücher. Auch die, in denen Leiden auf den ersten Blick als falscher Begriff erscheint, weil der Autor in ihnen bis zur Unberührbarkeit ironisiert. Gleich fragt: „Ist es das Leiden des Landes oder Ihr Leiden?“ Wieder so eine Frage. „Ich mag das Land unglaublich gerne.“ Wieder so eine Antwort. Fragen, Antworten. Wer schon sein eigenes Material ist, der ist manchmal die Rolle des Beobachters leid, ist also hin und wieder auch einfach gern er selbst. Nächste Frage an ihn selbst: Was ist Erfolg? „Bücher, Lesungen und dann noch eine positive Kritik in der SZ“, karikiert von Stuckrad-Barre eigene Erfolgsvorstellungen. Doch die sind Geschichte. Denn wenn sich erfüllt hat, was man sich gewünscht hat, ist man auch gleich um eine Erfahrung reicher: „Und was kommt dann? Nix!“ Von Stuckrad-Barre, der in seinen Büchern von eigenen Lebenskrisen berichtet, steckt in einer neuen Phase. Gewissermaßen in einer Phase der Materialermüdung. Er sei vorsichtiger und nachsichtiger im Umgang mit sich selbst geworden. Was jedoch weiterhin zählt, sind Musik, Bücher und enge Freunde, mit denen er täglich telefoniere. „Platten, Bücher, Freunde“, resümiert Schuhmacher. Ein Titel für eine Biographie. Und Stuckrad-Barre hat eine Frage: „Darf ich mir das notieren?“