Martin Sonneborn
geb. 1965, tritt vielen auf den Schlips und das meist medienwirksam. Er ist Mitherausgeber des „endgültigen Satiremagazins Titanic“ und verantwortlich für „SPAM“, die satirische Rubrik von Spiegel Online, dreht Filme, schreibt Bücher und macht Politik: als Bundesvorsitzender einer 2004 von ihm gegründeten Partei namens „Die PARTEI“. Wenn man Rudi Völler, der „FAZ“, den „Tagesthemen“ Glauben schenken darf, waren es seine Bestechungsfaxe an FIFA-Komiteemitglieder, die die Fußball-WM-2006 nach Deutschland geholt haben. In seinem gerade erschienenen „PARTEI-Buch“ erklärt Sonneborn, wie man „in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt“.
Wir suchen neue Inhalte, finden aber keine
Deutschland ist das Land der Ämter. Das Amt des Bundesvorsitzenden der PARTEI übt Martin Sonneborn aus. Ununterbrochen, ungebrochen. Und ganz bestimmt bis zur Bundestagswahl 2009: „Wir wollen die Wahl gewinnen!“ Koalitionspartner? Favorisiert wird die NPD. „Aber eigentlich ist es ganz egal, wer uns zur Macht verhilft.“ Bis auf die Mauer, die die PARTEI wieder aufbauen will, steht nicht viel fest: „Wir suchen neue Inhalte, finden aber keine.“ Und der Maueraufbau sei eine „dialektische Idee“. Denn: „Indem wir uns teilen, finden wir zusammen.“ Schumacher bringt die aktuellen Unruhen in Kreuzberg ins Spiel: auf der einen Seite Leute, die Steine werfen, auf der anderen Seite die Polizei. Wo steht da die PARTEI? Sonneborn: „Die PARTEI steht dazwischen und fängt die Steine auf.“ Gleich versucht das Gespräch mit dem Bundesvorsitzenden: Er schätze die satirischen Aktionen, bei denen Sonneborn den Mächtigen auf den Zahn fühlt, „aber bei manchen Aktionen habe ich das Gefühl, dass es nur um Ihre Ego-Show geht, oder?“ Sonneborn: „Ich würde sagen, als Journalist, der sich vor Kameras herumtreibt, sollten Sie hier die Klappe halten!“ Gleich hakt nach: „Ist das bei Ihnen so? Sie haben sich heute versteckt und Ihre satirische Performance gemacht. Aber wir haben nicht miteinander gesprochen! Ist Ihr Parteivorsitzenden-Gedöns eine Ego-Show?“ Sonneborn: „Wenn ich aus reiner Egozentrik das machen würde, was ich mache, dann wäre ich Journalist geworden. Ich glaube, dass der Spaß an der Komik und an der satirischen Kritik eine größere Rolle spielt.“ Schumacher: „Jetzt mal ehrlich: Macht Ihnen das Spaß?“ Sonneborn: „Im Moment nicht, weil es hier zu heiß ist.“