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Culture Counts DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?

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Jörg Rheinboldt



Jörg Rheinboldt

Manchmal liegt der Anfang im Banalem. Die Gründung vom Arlando wurde besiegelt bei einem Nutellabrot. „Das war das einzige, was wir damals hatten“, erinnert sich Rheinboldt. Dabei sei die Idee ganz klar und „gut“ gewesen: „Wir wollten, dass alle sich gegenseitig helfen können.“ Ein Marktplatz habe her gesollt. Vier Wochen dauerte es noch nach dem Nutellabrot bis zu den Klicks – dann war die Online-Verkaufsbörse da. Später sollte sie von Ebay aus den USA aufgekauft werden und die Jungs mit dem Nutellabrot reich machen; aber dazu später mehr.
„Der Zeitpunkt war absolutes Glück“, bilanziert Rheinboldt. 1999 war das Glücksjahr des Internets. Jeder wollte damals erstmals ins Virtuelle, dabei sein. Der Massenmarkt ward geboren. Ließe sich diese Geschichte heute wiederholen? „Das hängt davon ab. Es geht um das Aufspüren einer Nische, eines Bedarfs, der sich noch nicht artikuliert hat“, sagt Rheinboldt.
Der Lackmus-Test damals war ein Ferrari. Der Freund eines Kollegen wollte seinen Wagen verkaufen – und wurde überzeugt, ihn ab einem Euro online anzubieten. Das half dem Start-Up, und auch dem Freund.
Dennoch war die Versuchung aus Amerika, von Ebay aufgekauft zu werden, sehr groß. Das große Geld lockte. „Wir Gründer fragten uns vorher, ob es uns verändern werde. Und wir beschlossen, das nicht zuzulassen.“ Aber eine Quatschsache wollte jeder machen. Rheinboldt kaufte einen Porsche. „Wir machten dann weiter und lernten die Unternehmerkultur in den USA kennen.“ Was sind die Unterschiede zur deutschen? Freundlicher und aufbauender sei man in Amerika. Kritik werde verdaulicher verpackt. „Wir hatten dann eine gute Mischung aus unserem direkten Ton und der amerikanischen Diplomatie.“
Heute fährt er ein Klapprad. In der Zwischenzeit ist Rheinboldt Vater geworden. Er merkte, dass ihn vieles nicht glücklich machte. Der Porsche nicht richtig, auch nicht das neu gekaufte Grundstück. Was macht glücklich? „Nicht den ganzen Kram zu haben, sondern von guten Leuten umgeben zu sein, sich mit tollen Themen zu beschäftigen – den Tag nutzen können.“
Heute beschäftigt sich Rheinboldt mit guten Ideen – anderer Leute, und investiert in junge Start-Ups. „Gründungsfieber ist toll“, bekennt er und nennt den wichtigsten Grund für seine neue Tätigkeit: Er wollte zwischen sich und den Markt ein Unternehmen legen; ein nettes mit einer tollen Idee, welches das Geld gut brauche. „So hatte ich mehr Zeit für die Familie.“
Zeit für das Internet bleibt auch. Rheinbolt bekennt, privat bei Facebook eingetragen zu sein. „Das ist super, so kann ich mit vielen amerikanischen Freunden leichter in Kontakt bleiben.“ Macht es auch Angst, im Internet Spuren zu hinterlassen? „Ja, das muss jeder für sich überlegen.“ Und grundsätzlich überwiegt bei Rheinboldt der Optimismus, einer, der ihn wohl auch in seinem Geschäftsleben angetrieben hat. „90 Prozent aller Leute führen Gutes im Schilde.“
Nicht alle sehen das so. Untergangsstimmung in dem Medien ist en Vogue, wennes es um das Internet geht. „Internet macht doof“, heißt ein Slogan, der die deutschen Feuilletons durchwandert – „das stimmt nicht, man muss einfach den Umgang erlernen“, kritisiert Rheinbolt. Und wie macht er es mit seinen Kindern? „Allein sitzen die nicht vor dem Rechner.“ Viereinhalb Jahre alt sind sie, da dürften sie mit den Eltern Podcasts von der Sendung mit der Maus genießen – mehr noch nicht.
Am Ende geht es wieder um einen Marktplatz; um einen, auf dem Organisationen für ihre Projekte werben können. „Unser Gedanke bei ‚Better Place’ ist, dass gute Gedanken ihr Geld finden.“ In den vergangenen zwölf Monaten seinen hunderttausende Euro umgesetzt worden. So könnten Spenden transparenter und effektiver werden. Misstrauen und Trägheit, zwei menschliche Grundeigenschaften, werden so gut angegangen. „Was wir bauen, ist eine Organisation, die sich irgendwann selbst tragen soll.“
Und wie hat das Internet Deutschland verändert? „Ich kann nur für mich selbst sprechen: Alles ist schneller und leichter für mich geworden. Und ich fühle mich viel mehr mit so vielen anderen Punkten in der Welt verbunden.“ Mittlerweile ist es stockduster draußen. Berlin ist in den Abend gerutscht