Culture Counts

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Culture Counts DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?

DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?


Oona Horx-Strathern



Oona Horx-Strathern

Diese Frau ist optimistisch. Ein richtiger Crash in der Wirtschaftswelt zum Beispiel, daran glaubt sie nicht. „In Deutschland zeigt man sich leicht stärker beeindruckt von den Zeitläuften“, sagt Oona Horx-Strathern. In England zum Beispiel sei man weniger negativ eingestellt.
Überhaupt seien da viele Unterschiede. Die Insellage der Engländer beeinflusse auch das Gemüt. Vielleicht, so Horx-Strathern, bewirke die koloniale Vergangenheit eines ehemaligen Weltreichs eine gewisse Entspanntheit gegenüber Krisen wie der aktuellen Wirtschaftsrezession. Viele Engländer und auch Amerikaner spürten schon Optimismus: „Nächstes Jahr werde es noch schlimmer werden, aber in zehn Jahren sei der Aufschwung wieder da – so denken viele.“
Multikulturalität begleitete sie seit ihrer Kindheit. In die Grundschule in London ging sie zusammen mit Kindern aus über 30 Kulturen. „Ich hatte echte Freunde aus unterschiedlichen Ländern. Erst später fiel mir das ‚von woanders her’ auf. Könnten die Deutschen von den Engländern lernen? „Von den Österreichern vielleicht“, antwortet die Irin mit Wohnsitz in Wien. „In Wien gab es eine bilinguale Schule, wo bis zum Abitur alle Fächer in Deutsch und in Englisch unterrichtet werden. Das war genau das richtige für meine Kinder.“
Ist die Mehrsprachigkeit denn wichtig? „Für die kulturelle Integration auf jeden Fall“, antwortet Horx-Strathern. Auch mache Fremdsprachenwissen fit für das Leben in Zeiten der Globalisierung. Aber das wünsche sie sich auch für ihre Landsleute: Briten sollten sich mehr für andere Sprachen öffnen, wie zum Beispiel für das Deutsche. Noch immer würden Stereotypen über die Deutschen in England vorherrschen; wie bei den Deutschen über die Engländer. „Und es gibt Gemeinsamkeiten: Fremde aufzunehmen fällt den meisten Menschen in beiden Ländern schwer.“
Dann wird es schwierig. Horx-Strathern soll ihren Beruf als Trendforscherin erklären. „Meistens erzähle ich auf Partys, ich sei Journalistin“ – viele würden denken, Trendforscher würden in silbernen Kleidern herumlaufen und die Lottozahlen von morgen kennen. Als Beispiel erzählt sie von ihrer aktuellen Arbeit: der Suche in Österreich nach einem Getränk nur für Frauen. „Das ist zähe Arbeit. Noch warten wir auf eine Firma, die so etwas durchzieht.“
Als Angelsächsin erkenne sie, dass viele Trends in Amerika entstehen, und dann später im traditioneller eingestellten Europa Fuß fassen. Und gab es auch mal einen umgekehrten Trend? „Die großen Zukunftsforscher seit den 40er Jahren kamen aus Deutschland und haben diesen Beruf in den USA groß gemacht.“ Aber Trends? Da fällt der Trendexpertin nichts ein. Armes Deutschland.
Die Wirtschaftskrise wecke auch Chancen, da ist sie sich sicher. Jetzt sei Kreativität stärker gefragt, neue Berufe könnten geschaffen werden. „Vor allem sollten die Möglichkeiten eröffnet werden, Frauen stärker ins Berufsleben einzubinden“, das ist für Horx-Strathern eine wichtige Perspektive. Gerade in den Schulen müsse mehr Gefühl für Diversität gepflegt werden, das wecke den Respekt und die Neugierde für Anderes. Das würde sich auch später in einem flexibilisierteren Wirtschaftsleben bemerkbar machen.
Die Trendforscherin hat einen Traum. Dass das europäische Gefühl stärker werde, dass mehr Menschen sich auch als Europäer definieren würden.
Horx-Strathern grübelt ständig über die Zukunft nach. Ihr neustes Projekt: Wie sieht das Wohnen der Zukunft aus? Wird das Wohnen flexibler? „Ich plane, dass die Bereiche des Wohnens stärker voneinander getrennt werden.“ Heißt: Gewisse Wohneinheiten, wie zum Beispiel die für Gäste, sollten frei von Technologien wie Fernsehen und Computer sein, um das soziale Miteinander zu stärken.“ Das Gespräch ist zu Ende. Die Kameras schalten sich aus, die Scheinwerfer glimmen plötzlich nur noch. In der 15minütigen Pause verlassen Zuschauer, Gastgeber und Aufnahmeteam das Studio. Die ganze Technik liegt da, als hätte sie ihre Bedeutung verloren.