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Culture Counts DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?

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Sung-Hyung Cho



Sung-Hyung Cho

Das Leben auf dem Dorf in Deutschland, das ist für Sung-Hyung Cho ein stetiger Antrieb für ihr künstlerisches Leben. „Diese Unterschiedlichkeit, das Erleben eines kulturell Anderen als früher in meiner Heimat Seoul, das hat mich inspiriert.“ In Südkorea werde das Thema kultureller Diversität noch nicht stark diskutiert, sagt sie. „Es gibt nicht so viele Ausländer.“
In Deutschland erkennt sie viele Parallelen zu Korea. Den Mauerfall 1989 hätten viele Koreaner mit Tränen begleitet, ihn gefeiert. Schnell kommt im Gespräch eine kontroverse Frage auf: Ist der Nordkoreaner für die Leute im Süden etwa das, was gemeinhin in Zeiten des Kalten Krieges der „Ossi“ für die Westdeutschen war? „Die Fronten waren viel verhärterter“, erinnert sich Cho. „Im Unterricht lernten wir, dass Nordkoreaner eine rote Gesichtsfarbe tragen. Im Sportunterricht lernte ich, Granaten zu werden.“
Seltsam finde sie indes, dass die Folgen von 1989 in Deutschland zu sehr bejammert würden. Die Empfindungen zwischen Ost und West nimmt sie recht unterschiedlich wahr. „Meine Erfahrungen mit so genannten Ossis waren, dass sie kollektiver denken. Die Wessis sind viel individualistischer.“ Es tue ihr weh, wie oft sich Wessis geringschätzig über ihre östlichen Landsleute äußern würden.
Bekannt wurde Cho durch ihren Dokumentarfilm „Full Metal Village“ über ein Metalmusik-Festival in einem deutschen Dörfchen. Sie erkannte dort etwas, was für sie neu in Deutschland war: dass da zwei Kulturgruppen auf den ersten Blick unterschiedlich sind und auf dem zweiten sich doch ähneln – und respektvoll und friedlich miteinander umgehen. „Allein das Saufen verbindet sie“, bilanziert sie.
Unfriedliches Miteinander kennt sie sonst zur Genüge. Während ihres Studiums in Marburg machte man ihr jeden Tag klar, dass sie als Fremde gelte. „Wir wurden im Studentenwohnheim lange nicht begrüßt.“ Besonders lernte sie, dass die Welt nicht in schwarz-weißen Farben gemalt werden kann: Gerade politisch links Eingestellte hätten sich kalt und distanziert gezeigt, sogar hart und unfreundlich. Und Burschenschaftler dagegen, also rechts Eingestellte, hätten sie viel freundlicher und offener empfangen. „Die Welt ist eben differenzierter als man denkt.“
Anders herum, da ist sich Cho sicher, wäre die Reaktion gegenteilig. Ein Deutscher in einem südkoreanischen Studentenwohnheim hätte es viel leichter. „Da gibt es große Hochachtung vor der deutschen Kultur, da würde man mit offenen Armen empfangen.“ Kultur und Literatur habe in Korea einen hohen Stand. Das färbe ab.
Umso enttäuschter war Cho, als sie nach der Lektüre von Nietzsche und Goethe nach Deutschland kam und die „Bild“-Zeitung und Tutti-Frutti-Fernsehen kennenlernte.
Das hielt nicht lange vor. Deutschland wurde Cho zur Heimat. In Deutschland fand sie Nischen, zumindest mehr als in Südkorea. „In Deutschland man mit 30 Jahren noch studieren, in Südkorea wäre das ein großes Problem.“ Zuhause ist sie in beiden Ländern. „Ein Ort ist nie nur ein geografischer Ort, wichtig sind die sozialen und kulturellen Belange.“ Heimat dürfe auch nie als etwas Vergangenes angesehen werden, das sei gefährlich. „Heimat ist dynamisch.“
Die Deutschen aber, die seien heimatlos – wegen ihrer Vergangenheit aus der Nazi-Zeit. Heimat könne man indes produzieren. Was rät sie also den Deutschen, um heimisch im eigenen Land zu werden? „Die Deutschen sollten den Begriff Heimat neu erfinden und nicht mehr mehrheitlich als negativ empfinden.“ Die Selbstkritik und eigene Fixiertheit, das könne sie kaum mehr hören. „In Südkorea kennen wir andere Umstände. Wir waren von Japanern kolonisiert und hören dafür bis heute keine Entschuldigung. Dann hier in Deutschland diese starke Beschäftigung mit der bösen Vergangenheit zu sehen, war schon sehr, sehr anders.“
Und vielleicht auch ein wenig zuviel. Denn nur wer sich selbst möge und annehme, sagt Cho, könne gut zu anderen sein.