Culture Counts

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Culture Counts DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?

DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?


Dr. Heiner Wember



Dr. Heiner Wember

„Was deutsch ist, unterliegt dem Wandel der Zeit“, sagt Heiner Wember. Um das zu belegen, blickt der Historiker und Autor der beliebten WDR-Radiosendung „Zeitzeichen“ weit zurück. Um vier Uhr morgens erzählt er, wie der Kaiser Barbarossa im 16. Jahrhundert zum deutschen Nationalheiligen wurde und prüft neben bei die Geschichtskenntnisse der Moderatoren ab. Er erklärt, warum es historisch falsch ist, das Preußentum mit „Deutschsein“ gleichzusetzen und erinnert sich daran, wie er selbst das kollektive Trauma der Nazizeit aufgearbeitet hat.

Derweil führt sein Parforceritt durch die deutsche Geschichte auf einen zentralen Punkt zu: Die deutsche Kultur, wenn es sie denn gibt, ist immer auch von nicht-deutschen Einflüssen geprägt worden. Man denke nur daran, sagt Wember, wie Friedrich der Große einst die Hugenotten aus Frankreich und die Juden aus Österreich in Preußen willkommen hieß, um mit ihrer Hilfe die Industrialisierung zu stemmen. Moderator Hajo Schumacher fragt sich daraufhin allerdings, ob es nicht menschenverachtend sei, wenn man Flüchtlinge für seine eigenen Zwecke missbrauche. „So wie in den Sechzigern, als man die Polen ins Ruhgebiet schickte, um dort die Kohle aus der Erde zu kratzen.“ Wember sieht das anders und schlägt damit den Bogen zum Hier und Heute: „Natürlich waren das rationale, interessengeleitete Entscheidungen, deshalb müssen sie noch lange nicht falsch sein“. Und was antwortet Heiner Wember seiner Bekannten, die ihm aus dem fernen Australien live die Frage stellt, ob er stolz sei, ein Deutscher zu sein? – „Stolz reitet zum Dorf hinaus und kommt zu Fuß zurück.“