Hans-Peter von Kirchbach
Hans-Peter von Kirchbach
Hans-Peter von Kirchbach hat den militärischen Rhythmus zumindest insofern beibehalten, als dass er immer noch gerne früh aufsteht. Sechs Uhr morgens ist also eine gute Zeit, um mit dem General a. D. über 60 Jahre Bundesrepublik zu reden. Denn von Kirchbach, ehemals ranghöchster Soldat der Bundeswehr und heute Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe, hat die politischen Wendepunkte des Landes vielleicht intensiver erlebt als andere. Als Befehlshaber der Truppen bei der Oderflut 1997 wurde er für viele zum Helden, bei öffentlichen Gelöbnissen flogen ihm Farbbeutel um die Ohren. Dazwischen lag der Kalte Krieg. „Für mich war es als 15-Jähriger ein entscheidendes Erlebnis, dass der Aufstand in Ungarn niedergeschlagen wurde, während ich selbst in einem Staat mit einem hohen Maß an Freiheit lebte. Da kam mir schon der Gedanke, dass ein Staat auch wehrhaft sein muss.“ Wenn er heute von Soldaten höre, die Machtverhältnisse während des Kalten Krieges seien doch stabil gewesen, erinnere er immer wieder an die Kuba-Krise von 1962: „Damals war ich mir nicht so sicher, dass das tatsächlich ohne Auseinandersetzung abgehen würde. Wir haben ein paar Tage in unseren Kampfanzügen geschlafen und die Munition war gestapelt.“ Waren wir eigentlich jemals näher an einem Kampf zwischen rot und blau? – „Das glaube ich nicht. In einer hohen Bereitschaftsstufe waren wir auch während des Prager Frühlings, aber das war nicht vergleichbar.“ Ist man in einer solchen Situation denn bereit, sich einfach totschießen zu lassen? – „Man denkt, vielleicht geht es ja gut aus“, sagt von Kichbach. Als er aber als Generalinspekteur der Bundeswehr Soldaten zum Kampfeinsatz in den Kosovo schicken musste, habe ihn die Situation menschlich doch belastet, „weil ich zum ersten Mal eigene Flugzeugführer losschicken musste, von denen ich nicht wusste, ob sie zurückkommen.“ Auf politischer Ebene sollte man aber in jedem Fall wissen, wie man aus einem Krieg wieder herauskommt, sagt von Kirchbach. Und so antwortet er auf die Frage seines Vorredners Heiner Wember nach der Exit-Strategie für den derzeitigen Afghanistan-Einsatz: „Keinesfalls sollte es einen deutschen Alleingang geben, man sollte das mit den Bündnispartnern abstimmen. Trotzdem ist ein Fahrplan von Nöten, der klarmacht, was man erreichen und wann man wieder raus will.“