Türkiyemspor
Türkiyemspor
„Wie ist es möglich, dass Frauen Vorstandsmitglieder eines türkischen Fußballvereins sind?“ Diese Frage hatte General a. D., Hans-Peter von Kirchbach, an die Vertreter des Berliner Fußballvereins Türkiyemspor gerichtet, bevor er um Viertel vor sieben die Bühne verließ. Pressesprecherin Susan Dündar-Isik, elegantes schwarzes Kostüm, rote Nägel und rote Lippen, liefert nun eine klare Antwort: „Es gibt sehr viele Vorurteile über türkische Frauen. Wir sind aber sind emanzipiert, und unsere Familien unterstützen uns.“ Es passt zur Botschaft des Sportclubs, dass eine Frau den Verein nach außen vertritt. Denn bei Türkiyemspor werde niemand wegen seines Geschlechts diskriminiert, sagt Dündar-Isik. Und so bescheinigt auch Cihan Selçuk, einer der beiden A-Jugend-Kicker in dieser Runde, vielen Mädels fußballerisches Potential. Aber bekommen Sie dafür auch genauso viel Anerkennung von ihren Familien und Freunden wie die Jungs? – „Wenn es nicht so wäre, hätten sie nicht so viel Erfolg“, sagt Cihan.
Über Berlins Stadtgrenzen hinaus bekannt ist Türkiyemspor jedoch weniger für seinen guten Frauenfußball als für die vorbildliche Integrationsarbeit im Jugendbereich. Vor 31 Jahren als türkischer Verein in Kreuzberg gegründet, kommen die Kicker heute aus 25 verschiedenen Nationen, mehr als die Hälfte hat einen deutschen Pass. „Wir sind keine Gastarbeiter mehr“, sagt Dündar-Isik selbstbewusst. „Wir wollen zeigen, dass wir Integration längst leben.“ Cihans Mannschaftskollege Erdi Temel schwört jedenfalls auf den fußballerischen Zusammenhalt, der über Herkunfts- und Religionsgrenzen hinweggehe: „Bei uns spielt es keine Rolle, woher du kommst und was du glaubst. Wir sind eine Einheit.“ Funktioniert Integration im Sport also besser als in der Schule und auf der Straße? Cihan sagt: „Natürlich ist es im Sport leichter, weil man hier zusammenarbeiten muss, um erfolgreich zu sein, während in der Schule jeder seine eigenen Klausuren schreibt.“ Trotz seiner Reputation als Deutschlands bedeutendster Migrantenverein kämpft Türkiyemspor aber immer noch um Anerkennung. Manager Celan Bingöl erinnert etwa an die jahrelangen Querelen mit dem DFB und dem Berliner Senat um ein geeignetes Stadion und einen festen Trainingsplatz. Auch wenn der schnöde Mammon ins Spiel kommt, stoße der Verein häufig auf Desinteresse, so Bingöl: „Wir haben keinen einzigen deutschen Sponsoren, sondern nur türkischstämmige Unternehmer. Wir hätten gerne jemanden wie die Deutsche Bahn oder die Berliner Stadtreinigung dabei, aber wir bekommen ja nicht einmal die zuständigen Leute ans Telefon.“ der Schule jeder seine eigenen Klausuren schreibt.“