Culture Counts

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Culture Counts DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?

DIVERSITY, 24 Stunden Interviewmarathon, Was ist deutsch?


Wibke Bruhns



Wibke Bruhns

Um 10 Uhr widmet sich Michael Gleich zunächst den Aufregern des Tages. „Pocher, was läuft da mit der Ex von Borris?“, lautet die Bild-Schlagzeile am Samstagmorgen. Die kleine Presseschau ist ein guter Aufhänger, um mit der Journalistin und Bestseller-Autorin Wiebke Bruhns über den Kulturwandel in den deutschen Medien zu sprechen. Ihr Vater zählte zur Widerstandsgruppe des 20. Juli 1944, sie selbst war Nachrichtensprecherin beim ZDF, arbeitete in den Achtzigern als Auslandskorrespondentin für das Magazin „Stern“ und wurde 1995 Kulturchefin des ORB, dem heutigen RBB. Für das Buch „Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie" erhielt sie den Friedrich-Schiedel-Literaturpreis. Als sie jedoch 1971 als erste deutsche „Nachrichtendame“ anfing, war es ein Skandal. „In die heiligen Hallen der Männerdomäne der Nachrichten vorzudringen, war damals, als wolle man als Frau in den Vatikan“, beschreibt Bruhns den Zeitgeist. „Plötzlich gehörte ich zu den abgedrehten Frauen, die Anspruch auf ein eigenes Leben erhoben.“ Sie habe den medialen Gegenwind jedoch als sportive Herausforderung begriffen, obwohl es „der langweiligste Job der Welt“ gewesen sei. „Andere Leute schrieben die Texte und ich war nichts anderes als eine Sprecherin. Und wenn ich irgendetwas nicht konnte, dann war das sprechen.“ Und heute? Haben es die Frauen in den Medien inzwischen geschafft? – „Schlagen Sie die Zeitungen auf, vor allem die seriösen, das sind alles Frauen. Aber es ist doch die Frage: Wer sitzt auf dem Geld?“ In den Chefetagen seien die Frauen immer noch unterrepräsentiert. Ein weiteres Mal fielen die Medien übrigens über Wiebke Bruhns her, als sie Pressesprecherin der deutschen EXPO war. „Ich bin keine PR-Frau, ich habe manchmal Sachen gesagt, die die Medien erschreckt haben“, so Bruhns. Aber war das nicht typisch deutsch, dass die Medien die Weltausstellung noch vor dem ersten Spatenstich kaputt geschrieben haben? – „Da ist sicher etwas dran, aber das ist nur die halbe Wahrheit“, erklärt Bruhns in der Rückschau. Alle Beteiligten hätten nach außen am Ziel festgehalten, mit der Ausstellung Geld zu verdienen anstatt von Anfang an zuzugeben, dass es einen Verlust geben würde. „Das kann man den Medien nicht anlasten“, so Bruhns.